Mit den Worten „Peer, du lügst“ eröffnet die Mutter das fantastische Stück über den „nordischen Faust“. Peer lebt in einer eigenen Welt. Er verdrängt, dass sein Vater Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. In seiner Fantasiewelt ist die heruntergekommene Behausung nach wie vor ein strahlender Palast. Auch seine eigene Nichtsnutzigkeit verklärt er zu heldenhaften Episoden. Er ist verliebt in die schöne Solveig, gleichzeitig entführt er aber die Braut eines anderen und bringt die gesamte Dorfbevölkerung gegen sich auf. Nach dem Tod seiner Mutter reist Peer Gynt um die ganze Welt und durchlebt Höhen und Tiefen. Er wird als Sklavenhändler reich, verliert sein ganzes Vermögen an falsche Freunde und landet schließlich in der Irrenanstalt von Kairo. Am Ende wird Peer alt, einsam und verarmt heimkehren. Peer muss um seine Seele kämpfen und er, der große Lügner, der alle Welt im Stich ließ, erhält plötzlich von unerwarteter Seite Beistand. Das Bühnenbild entwickelt sich aus der berühmtesten Szene des Stückes, in welcher sich Peer mit einer Zwiebel vergleicht, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat. Modular strukturierte Einzelelemente bieten die Möglichkeit symbolisch auch ein weiteres Kernthema zu behandeln. Die Bewegung der Elemente steht für die Reisen um die Welt, für Höhen und Tiefen, ihre präzise Positionierung vermag verschiedenste Raumsituationen an unterschiedlichen Schauplätzen zu schaffen. Die Summe der Einzelsegmente bildet wiederum symbolisch die Eigenwelt von Peer Gynt, in welcher er selbst zentral als Mittelpunkt agiert.
„Peer Gynt“ / Henrik Ibsen / Schauspiel
Regie: Alexander Kubelka Bühne: Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm, Simon Metzler
Kostüme: Andrea Hölzl / Fotos: Anja Köhler + CN
Premiere: 18. März 2011, Vorarlberger Landestheater / Grosses Haus
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