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Rickenbach Quartier Wolfurt

Die Situation in leicht ansteigender Topografie liegt am westlichen Fuße des Bildsteiner Rückens und ist ortsräumlich geprägt durch eine historisch gewachsene Ortsteilsituation mit übergeordneter Bedeutung als historischer Verkehrsknotenpunkt, Pilgerverpflegungsort und Industriestandort. Die bestehende Umgebungsbebauung ist heterogen in solitärer Stellung entlang eines engmaschigen Wegenetzes, geringe Straßenabstände und Aufweitungen in Form von kleinen Platzsituationen und Vorplatzausbildungen generieren interessante Straßenräume und überschaubare räumliche Abfolgen. Die einzelnen Baukörper sind stark differenziert und baulich geprägt durch die Entwicklungsgeschichte des Ortes als gewachsener Industriestandort. Charakteristische Elemente der baulichen Entwicklung sollen erhalten bleiben, durch Neubauthemen ergänzt eine unverwechselbare semiurbane Situation mit eigener Identität und Gepräge in einer hochwertigen Mischung aus Wohnen, Dienstleistung, Gastronomie und sanftem Gewerbe entwickeln. Der Kernbereich selbst mit dem Ensemble von Hammerschmiede, Technikerturm und Gästehaus wird im Osten durch ein neues dreigeschossiges Volumen ergänzt, welches platzraumbildend den Abschluss der kleinteiligen historischen Situation bildet welche in ihrer Maßstäblichkeit und Typologie erhalten bleibt. Im Bereich der ehemaligen Fertigungshallen wird ein neues Ensemble entwickelt, dessen Typologie sich an der Struktur und den Fußabdrücken dem kleinteiligen dörflichen bzw. semiurbanen Bebauungsmuster der Bestandsbauten orientiert, diese allseitig ins neue Struktursystem miteinbindet und eine angemessene Nachverdichtung schafft. Die Ausbildung von unregelmäßigen fünfeckigen Volumen reagiert auf die spezielle Grundstücksform und entwickelt dabei bei großer Kompaktheit kürzere Fassadenabschnitte, weichere Raumflüsse und Raumfolgen mit stets raumöffnender Charakteristik und eine bessere Anpassungsmöglichkeit an die vorhandenen Bestandsstrukturen und Straßenverläufe. Durch ihre Richtungsneutralität vervollständigen die Baukörperfolgen die Gesamtstruktur in mehreren Richtungen und Abschnitten zu einer lockeren Perlenkette aus solitären Volumen im Wechsel mit einer Abfolge aus großzügigen platzraumbildenden Außenraumsituationen, zwischen den Passstücken öffnen sich jeweils wertvolle Durchblicke trichterförmig in den Landschaftsraum. Das bestehende Wegenetz wird durch feingliedrige Durchwegungen im Quartiersinneren ergänzt, sämtliche Gebäude sind über die Wegstrukturen miteinander verbunden. Unterschiedliche Themen mit Platz, Park und Landschaft schaffen differenzierte Außenraum- und Aufenthaltsqualitäten, platzartige Aufweitungen bilden Treffpunkte. Der Rickenbach wird geöffnet, bildet zentral das verbindende Element und prägt wesentlich die Atmosphäre des Quartiers. Die vorgeschlagene Konzeption bietet das Potenzial den Ortsteil Rickenbach sensibel und vorausschauend von einem Industriestandort zu einem hochwertigen, vielfältigen Lebensraum für alle Generationen zu entwickeln.

Team Entwurf: Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm, Tobias Schnell, Stefan Prattes mit Vogt Landschaftsarchitekten AG Zürich
Auftraggeber: Doppelmayr Seilbahnen GmbH, Wolfurt
Wettbewerb 2018 3.Preis