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Kantonales Verwaltungsgebäude Appenzell

In sich ruhend, eigenständig und mit identitätsstiftender Strahlkraft steht die neue Bauskulptur am Strassenzug der Marktgasse. Aus dem historischen Bebauungsthema der Solitärbauten wird ein kompaktes Passstück entwickelt, welches mit der Grundrissform eines Parallelogramms als Überleitungselement zwischen zwei linearen Bebauungsstrukturen vermittelt, gleichzeitig den Strassenzug nachzeichnend die Bewegungen der Marktgasse räumlich neu definiert und schärft und die benachbarten Bestandsgebäude freispielt. Der Neubau ist viergeschossig und analog zu seinen historischen Nachbarn solitär konzipiert. Er übernimmt die typologischen Elemente des Ortes, er integriert sich in Massstäblichkeit und Ausstrahlung ins grössere Ganze ohne etwas zu kopieren, ohne sich anzubiedern, als Interpretation einer bewährten Typologie reagiert er im Sinne des Weiterbauens und einer baukulturellen Entwicklung zeitgemäss und eigenständig. Ein mittig liegender Kern bildet eine horizontale Gliederung in drei parallelen Schichten, welche eine einfache und flexible Grundstruktur entwickelt, die Grundlage sowohl für das statische als auch für das organisatorische System bildet und eine konsequente Weiterführung bis in die Dachlandschaft findet, welche als regelmässiges Faltwerk die Sprache des Ortes aufnimmt und die Massstäblichkeit unterstützt. Drei gleich grosse nach Süden gerichtete Giebelelemente übernehmen den historischen Rhythmus der charakteristischen Firstlandschaft. Als speziell zu erwähnendes Detail erachten wir die Ausbildung eines einzigen Quergiebels, welcher dem Gebäude Richtung Landsgemeindeplatz einen besonderen Auftritt und eine Adresse gibt, signifikant die Lage des Gerichtssaales als wichtigsten Raum des Hauses nach aussen transportiert und die ortsbauliche Ausformulierung samt Gebäudeauftritt mit der inhaltlichen und funktionalen Belegung des Raumes in Deckung bringt, im weiteren auch, dass Konstruktion und Erscheinungsbild die historischen Themen von massivem Sockelgeschoss und darüberliegendem Holzbau aufnehmen. Die Position des Hauses nahe an der Marktgasse bildet einen neuen Baustein, welcher die Thematik von Enge und Weite durch ortsspezifische Engstellen des Straßenraumes weiterschreibt und neben guter Präsenz auch spannende Aussenraumsequenzen generiert. Der ruhig gestaltete Neubau reagiert dezent und ausgewogen auf die bestehenden baulichen Strukturen und entwickelt allseitig gut proportionierte Außenräume. Ein offener überdeckter Vorbereich schafft eine grosszügige Eingangszone.

Team Entwurf: Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm, Stefan Prattes mit Ghisleni Partner AG Rapperswil, Baubüro Hollenstein Brandschutz Zuzwil, Martin Stocker Modellbau Hohenems.
Auftraggeber: Kanton Appenzell Innerrhoden, Amt für Hochbau und Energie
Wettbewerb 2020 1.Preis