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  • Bürgerheim Appenzell

    Die bestehende Situation ist geprägt von der markanten Topografie eines geneigten Plateaus oberhalb der Sitter in begünstigter Sonnenlage mit Fernwirkung. Auf dieser »Sonnenhalde« befindet sich mit dem ehemaligen Armenhaus und jetzigen Bürgerheim ein starker, denkmalgeschützter Solitärbau von hoher Qualität und mit Wiedererkennungswert. Für den Erweiterungsbau gesucht ist eine Struktur, die sich zurücknimmt und nicht in Konkurrenz tritt mit dem Bestandssolitär, die sich unterordnet und nicht in den Vordergrund stellt, die dem wertvollen Bestand trotz der großen zusätzlichen Baumasse seine Würde bewahrt, ihm den Vortritt überlässt und dennoch eigenständig ihre Kraft und Identität findet, Ausgewogenheit vermittelt zwischen Alt und Neu. Der historische Bestandsbau wird strukturell geklärt und zum Hauptelement der Gesamtanlage. Eine spezielle auf den Ort reagierende Zimmer-Typologie bildet das Grundmodul des zweigeschossigen Erweiterungsvolumens. Einer klassischen Zone aus Vorbereich mit Garderobe und Nasszelle folgt ein polygonaler Wohnbereich, welcher sich über eine Panorama-Befensterung großzügig und weit in die Landschaft öffnet – der sinnfälligen Forderung nach keinen reinen Nordzimmern durch Ausknicken der Außenwand entgegenwirkend ermöglicht er eine fast zweiseitige Belichtung. Einem Erkerthema gleich ist es möglich praktisch einen Schritt vor die Fassade zu treten, und noch einen Blick in eine andere Richtung zu nehmen, die ersten Sonnenstrahlen des Tages etwas früher einzuholen oder die letzten noch länger zu genießen. Das Faltungsthema der Fassade gibt räumlichen Mehrwert und bildet nahezu den Ersatz einer Balkonsituation. Die räumliche Disposition vermeidet den klassischen »Altersheim«-Typus und bietet anstatt dessen eine attraktive und breite Wohnstube mit individueller Möblierungsoption, maximaler Belichtung und maximalem Ausblickswinkel, eine Wohnstube, welche nebst größtmöglicher Individualität durch verschiedenste Möglichkeiten der Aneignung vor allem auch unterschiedliche Stufen der Privatheit zulässt. Der Wohngrundriss wird gebildet aus einer ringförmigen Struktur mit zentralem Hofgarten, außenliegende Zimmer entwickeln mit hofseitigen Aufenthalts- und Sonderräumen eine klare und übersichtliche zweihüftige Typologie.

    Team Projekt: Martin Ladinger [PL], André Sallmayer
    Team Entwurf: Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm, Tobias Schnell (PL), Lauren Dolphin, Clemens Jenny, in Zusammenarbeit mit Vogt Landschaftsarchitekten AG Zürich, Merz Kley Partner Bauingenieure Dornbirn, Baubüro Hollenstein GmbH Zuzwil, Martin Stocker Modellbau Hohenems, Visualisierungen reflexiv.
    Auftraggeber: Kanton Appenzell Innerrhoden, Schweiz
    Wettbewerb 2023 1. Preis